Automatisierung war mal ein IT-Projekt
Automatisierung war mal ein IT-Projekt.
Zu Recht. Wer früher automatisieren wollte, baute am Kernsystem. Das braucht Gremien, Budgetrunden, einen Lenkungsausschuss.
Diese Zeit ist vorbei. Nur die Beschaffung hat es noch nicht gemerkt.
Eine Prozessautomatisierung kostet heute so viel wie ein Mittelklassewagen. Sie hängt am Rand der Systeme, liest mit, trägt ein, eskaliert an Menschen.
Beschafft wird sie trotzdem wie eine Werkshalle.
Ein Werkzeug, das wie eine Werkshalle beschafft wird, kommt nie an.
Der Apparat ist für die falsche Größenordnung gebaut. Jahresplanung, Anforderungsworkshops, Ausschreibung, drei Angebote, Lenkungskreis. Sechs Monate Weg für vier Wochen Bauzeit.
Und während der Antrag wandert, läuft der Prozess weiter. Von Hand. 2.000 Euro im Monat, 12.000 Euro bis zur Freigabe. Die Beschaffung kostet mehr als das Projekt.
Automatisierung scheitert seltener an der Technik als an der Beschaffungsform.
Der richtige Auftraggeber sitzt heute woanders. Der Prozessverantwortliche kennt den Schmerz, kennt die Ausnahmen, sieht die Stunden. Er kann ein Konzept mit Festpreis lesen und in einer Woche entscheiden.
Was er nicht kann und nicht soll: an der IT vorbei bauen.
Die Arbeitsteilung ist einfach. Der Fachbereich entscheidet das Ob. Die IT prüft das Wie: Datenzugriff, Hosting, Sicherheit. Ein Freigabepfad von Tagen, kein Genehmigungsverfahren von Monaten.
Wer dem Fachbereich das Ob verweigert, bekommt kein geordnetes Verfahren. Er bekommt Schatten-IT mit Privatlizenzen.
Wer das Ob freigibt und das Wie prüft, bekommt beides: Tempo und Kontrolle.
Natürlich gibt es die Gegenfälle. Wer Kernsysteme umbaut, mehrere Abteilungen gleichzeitig umstellt oder personenbezogene Daten neu verarbeitet, braucht das volle Verfahren. Eine einzelne Automatisierung mit Lesezugriff und sauberer Schnittstelle liegt darunter.
Dafür reicht der kurze Weg.
Der Test für das nächste Automatisierungsvorhaben passt in eine Frage: Steht der Aufwand des Beschaffungswegs in einem vernünftigen Verhältnis zur Bauzeit?
Wenn der Weg länger ist als der Bau, ist nicht das Projekt zu klein. Der Weg ist zu groß.
Werkshalle abbestellen. Werkzeug kaufen.
Ein Prozess, ein Konzept, ein Festpreis: in 24 Stunden auf dem Tisch des Prozessverantwortlichen. Ohne Lenkungsausschuss.
Festpreis und Meilensteine — oder eine klare Absage mit Begründung.